Newsflash

Seventh CIRCE course for European classics teachers, Fano (Italy) July 8th - 15th 2012. Request a grant from your LLP national agency. Deadline for grant applications January 16th 2012. For more info click on CIRCE Courses in the Menu...

 
Wilkommen arrow CIRCE Ressourcen arrow Fallstudien arrow e-Latin: Cambridge Online Latin Project
Circe Menu
Facebook
LOGIN
Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren
e-Latin: Cambridge Online Latin Project Drucken E-Mail

von Wilf O’Neill, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Die Entwicklungen im Bereich von IKT haben die den Lehrerinnen und Lehrern der klassischen Sprachen zur Verfügung stehenden Ressourcen immens bereichert, besonders aber im Fall von Latein. Solche Ressourcen kommen gerade beim Selbststudium, Fernstudium und beim Vermitteln von Latein an Schülerinnen und Schüler ohne Fachlehrer/Fachlehrerin zur Geltung.

Der Hintergrund

Bis die Universitäten von Oxford und Cambridge einen Schulabschluss von Latein als Studienvoraussetzung abschafften, gab es für Schulen und Lehrerinnen und Lehrer einen garantierten Zuspruch zum Fach Latein. Das Ende dieser Studienvoraussetzung könnte leicht das endgültige Aus für Latein in Schulen bedeutet haben, und, obwohl es eine bedeutende Abnahme der Schülerzahlen im Fach Latein gegeben hat, ist es ein Beleg für einen positiven Weg aus der Krise, dass es das Fach an den Schulen noch immer gibt und dass die Entwicklungen, welche hier skizziert werden, tatsächlich stattfinden. Die Möglichkeit, neue Lehr- und Lernstile zu entwerfen, die Latein einem noch viel breiteren Publikum von Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stellen könnte, wurde eifrig angenommen. Und so wurde der Lektürekurs geboren, dessen wichtigster Vertreter der Cambridge Latin Course ist.

Der Kurs, der zuerst 1970 veröffentlicht wurde, hatte sich schon gut etabliert, als 1999 Bob Lister, damals Direktor des Cambridge School Classics Project (verantwortlich für die Entwicklung des Cambridge Latin Course), die Idee von eLearning in Latein entwickelte. Dies begann in bescheidenem Umfang mit Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern in Cambridge, die via E-Mail geschickte Schülerarbeiten benoteten. Dieses Cambridge Online Latin Project betreut nun einerseits Schulkinder in Großbritannien, andererseits auch eigenständig Lernende auf der gesamten Welt. Neben den Textbüchern stellt das Cambridge Online Latin Project den Schülerinnen und Schülern Materialien zum Selbststudium zur Verfügung, welche die Materialien der Textbücher erweitern und Ratschläge und Hilfe für die, die alleine arbeiten, bereit halten.

Ein großer Durchbruch gelang im Jahr 2000, als sich die Regierung von Großbritannien zu einem Pilotprojekt zur Entwicklung von eLearning Ressourcen in den drei Lehrplangebieten Rechnen, Japanisch und Latein, entschloss, wobei die letzteren beiden gerade deshalb gewählt wurden, da sie als Minderheitensprachen von diesem Zugang gut zu profitieren schienen. Der 5 Millionen Pfund Vertrag zur Entwicklung der Lateinmaterialien wurde mit einem Konsortium bestehend aus dem Cambridge School Classics Project, der Cambridge University Press (als Herausgeber) und der Medienfirma Granada abgeschlossen.

Versuchsmaterialien wurden erstellt und in Schulen erprobt. Eine DVD mit Ressourcen für Buch I des Kurses ist nun im Handel. Weitere Arbeit geschieht an ähnlichen Ressourcen für Buch II, welche bald erscheinen sollten. Parallel dazu wird die Webseite des Cambridge School Classics Projects, die freien Zugang zu einer großen Auswahl von Ressourcen, einschließlich interaktiver Varianten der Buchgeschichten, Vokabeltrainer, einem Hörlexikon u.v.a. bietet, ständig weiterentwickelt.

Die Materialien

Die elektronischen Materialien bauen sehr stark auf den Büchern des Lehrgangs auf, sind aber weit mehr als nur eine elektronische Version des Kurses. Jedes Kurselement wurde mit Ressourcen ausgestattet, wobei viele davon interaktiv sind. Schülerinnen und Schüler können einer Geschichte zuhören, oder diese in einigen Fällen szenisch dargestellt sehen, und sie dann mittels Hypertext erforschen, der für jedes Wort seine Bedeutung und relevante Grammatik dazu anzeigt. Zahlreiche Übungen mit sprachlichen Erläuterungen werden angeboten. Der kulturelle Aspekt des Kurses wird auch durch eine Fülle von Aktivitäten, Bildern und Videoclips unterstützt.

Wie alles funktioniert

Die Materialien (sowohl E-Ressourcen als auch webbasierte Materialien) sind extrem flexibel und können in vielen verschiedenen Arten und Situationen eingesetzt werden.

In Schulen mit einem/einer lateinischen Fachlehrer/-in:

  • können die Materialien im konventionellen Klassenzimmer mittels Datenprojektor/ elektronischem Whiteboard verwendet werden
  • verwenden Schülerinnen und Schüler Materialien für Hausaufgaben und Eigenstudium (speziell nützlich dort, wo die Stundenzahl von Latein reduziert ist oder in extracurricularen Freifächern unterrichtet wird).
  • geben die Materialien einen Vorgeschmack für Schülerinnen und Schüler, die weiter lernen wollen (Ich verwendete diesen Zugang über einen Zeitraum von mehreren Jahren, um Schülerinnen und Schülern im 9. Jahr einen Eindruck vom Fach zu geben bevor sie sich für einen weiterführenden Kurs entschieden. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten alleine und schickten ihre Arbeiten via E-Mail zur Beurteilung ein).

In Schulen ohne einem/einer lateinischen Fachlehrer/-in:

  • Schulen, welche Latein anbieten, aber keine/n Fachlehrer/-in zur Verfügung stellen können, können Partnerschulen des Cambridge Online Latin Projects werden. So werden die Schülerinnen und Schüler in ihren Lateineinheiten von einem/einer Hilfslehrer/-in betreut, der Latein entweder kann oder auch nicht und dessen Aufgabe es ist, die Schüler zu ermutigen und technische Unterstützung zu geben. Aufgaben werden elektronisch an einen E-Tutor oder E-Marker geschickt, der die Aufgaben korrigiert und an die Schülerinnen und Schüler zurückschickt.

Außerhalb von Schulen:

  • gibt es viele Menschen aller Altersgruppen und Hintergründe, die Latein lernen oder ihre Lateinkenntnisse auffrischen wollen. Diesen stellt das Cambridge Online Latin Project neben den gedruckten und elektronischen Materialien einen E-Tutor zur Verfügung.

Aus den Rückmeldungen ist klar ersichtlich, dass sowohl Lehrerinnen und Lehrer als auch Schülerinnen und Schüler die Materialien und die Art des Zugangs schätzen. Manche Schulen haben in Übereinstimmung mit anderen Regierungsinitiativen zur Förderung Begabter den Kurs als hervorragende Bereicherung ihres Bildungsangebotes entdeckt.

Persönlich gesprochen…

Ich bin nunmehr schon seit vier Jahren als E-Tutor für selbständige Lernende in das Cambridge Online Latin Project involviert. Ich habe schon fast 50 Schülerinnen und Schüler betreut, meistens wirklich eigenständige Lerner und in zwei Fällen ganze Schülergruppen, die wie einzelne eigenständig Lernende arbeiteten. Das Alter der Schülerinnen und Schüler reichte von 13 bis 86. Sie kamen aus den USA, Israel, Luxemburg, Australien und Großbritannien. Sie alle haben sehr unterschiedliche Gründe für das Erlernen von Latein: Einige sind komplette Anfänger, einige wiederum sind Menschen, die zum Fach zurückkehren. Manche tun es aus reinem Interesse, andere aus beruflichen Gründen. Nicht alle Schülerinnen und Schüler sind erfolgreich und einige geben auf: Persönliche Umstände können sich verändern und eine Fortsetzung des Studiums verhindern. Eine Schülerin war so begeistert, dass sie sich entschloss, einen Universitätskurs zu belegen. Daher sind nicht alle Abbrecher auch Versager. Diesbezüglich sind die Erfahrungen des Cambridge Online Latin Projects nicht unähnlich denen anderer Fernstudienkursanbieter.

Obgleich diese Art des Lernens sich von traditionellen Methoden unterscheidet und eigene Nachteile hat, gibt es ganz klare Vorteile. Vom Blickwinkel des Lehrers/der Lehrerin aus betrachtet verliert man zwar die Interaktion zwischen Lehrer/Lehrerin und Schüler/Schülerin und zwischen den Schülerinnen und Schülern selbst, hat aber den Vorteil, dass man es immer nur mit einem Schüler/einer Schülerin ohne die üblichen gewöhnlichen Unterbrechungen wie in der Schule zu tun hat. E-Mail kann mitunter sehr rasche Rückmeldung geben und es gibt noch immer das Telefon, falls unmittelbare Rücksprache nötig ist. Videokonferenzen werden schon eingesetzt, um die Lücke zu schulbasierten Gruppen zu schließen. Webcams und Online Chat sind gerade dabei, mit gutem Erfolg beim Selbststudium eingesetzt zu werden.

Das, was die Schülerinnen und Schüler gewinnen und verlieren, hält sich die Waage: Es gibt keine lästigen Debatten mit oder ein "Köpfeeinschlagen" von Klassenkameraden mehr. Man hat die uneingeschränkte Aufmerksamkeit eines/einer persönlichen, allerdings fernen Helfers/Helferin (Ich muss noch immer lachen, wenn ich an das E-Mail eines neuen Schülers denke, der mich fragte, ob ich eine wirkliche Person oder doch nur eine Maschine wäre!). Abgesehen von Latein ist diese Art des Lernens die beste Vorbereitung auf Eigenständigkeit.

Ich bin auch bei der Entwicklung der eLearning Ressource als Sprachratgeber Granada zur Seite gestanden. Das war eine interessante Erfahrung, da es nicht nur Qualitätskontrolle über gesprochenes Latein (Betreuung und Überwachung von Schauspielern), sondern auch die Produktion von Offkommentaren für die Erzählungen gab. Über die Pilotmaterialien für Bücher I und II hinaus habe ich auch Texte und Wortlisten für den Rest des Kurses auf der Cambridge School Classics Project Webseite aufgenommen, was sehr interessant und zielführend war!

Einige abschließende Gedanken

Elektronisch gestütztes Lernen kann, dies sei ausdrücklich betont, kein Ersatz für eine/n wirkliche/n Lehrerin/Lehrer sein und das Lernen von Latein im Klassenzimmer mit einem/einer guten Lehrer/-in wird nach wie vor der beste Weg bleiben. Viele Schülerinnen und Schüler jedoch haben nicht diese Chance und versuchen aus eLearning das Beste herauszuholen. Eine Möglichkeit, um das Dilemma zu lösen, ist der Einsatz von Videokonferenzen, welche live eine Interaktion zwischen Lehrer/Lehrerin und Schüler/Schülerin ermöglichen.

Zuletzt sei aus der persönlichen Perspektive einer blinden Person gesagt, dass Materialien in dieser Art Latein und andere Fächer durch den Einsatz von Bildschirmlesern und anderer Software leichter denen verfügbar macht, die teilweise oder vollständig blind sind (Siehe diese Seiten).

Wohin wird also Latein gehen und werden diese neuen Ressourcen bei der Werbung dafür und letztlich beim Überleben helfen? Nur die Zeit kann dies weisen, aber e-Latein bringt die Sprache bereits in Reichweite von vielen, die sonst keine Möglichkeit hätten, es zu studieren.

Website

Die Cambridge School Classics Project Webseite kann unter http://www.cambridgescp.com gefunden werden. Ein Zwischenbericht über das Cambridge Online Latin Project und andere Materialien über Latein und die römische Welt kann hier gefunden werden.

Begriffsbestimmungen

E-marker 
Wie der Name schon vermuten lässt, ist das eine Person, die die Schülerarbeiten korrigiert und mit zusätzlichen Kommentaren und Ratschlägen versehen zurückschickt. E-markers können Lehrer/Lehrerinnen oder Studenten/Studentinnen sein.

E-tutor 
Ein/e spezieller/spezielle Lateinlehrer/Lateinlehrerin, dessen Aufgabe es ist, die Arbeiten zu beurteilen und auf elektronischem Weg zurückzuschicken, und der/die den Schülerinnen und Schülern Unterstützung und Rat gibt, entweder als Teil einer Gruppe oder individuell.

Eigenständig Lernender 
Jemand der als eine Privatperson registriert von zu Hause aus arbeitet und nicht ein Mitglied einer Schülergruppe ist.

Partnerschule 
Eine Schule, die eine Schülergruppe beim Cambridge Online Latin Project eingeschrieben hat, um bei einem der verschiedenen Levels Betreuung zu erhalten (Details auf der Webseite des Cambridge Online Latin Projects).