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Der Unterricht der klassischen Sprachen in Österreich |
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von Alfred Reitermayer,
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I. Historischer Überblick Jahrhunderte lang war der Unterricht der klassischen Sprachen in Österreich von der Vorliebe des Erasmus für Latein gegenüber Griechisch bei der Vermittlung von Grammatik und Stil geprägt. Sogar noch im 20. Jahrhundert gab der Liber Latinus, ein weit verbreitetes lateinisches Lehrbuch, welches auf altehrwürdigem Wortschatz und traditioneller Grammatik aufbaute, vielen Generationen von Schülerinnen und Schülern den Eindruck, dass der Lateinunterricht lediglich dem Eindrillen der Grammatik dient. In den späten Siebzigern versuchte die VIA NOVA, angespornt von Versuchen in Großbritannien, einen neuen Zugang zum Fach. Dieses Lehrwerk ermöglichte es den Lehrerinnen und Lehrer der klassischen Sprachen, den Grammatikunterricht etwas zurückzunehmen und dafür mehr das Lesen zusammenhängender Textpassagen in den Mittelpunk zu rücken. Das Problem, mit dem Schüler/innen und Lehrer/innen bei dieser Art von Lehrwerk umzugehen hatten, war die gleichzeitige Einführung der verschiedenen Deklinations- und Konjugationsschemata – ein Verfahren, das möglichst frühes Lesen interessanter Texte ermöglichen sollte, aber gerade für Anfänger und auch für Eltern, die beim Lernen zu helfen versuchten und an die regelmäßigen Wiederholungen und Strukturen der lateinischen Deklinationen und Konjugationen gewohnt waren, Schwierigkeiten mit sich brachte. Die Kontroverse zwischen den traditionellen Grammatiklehrern/Grammatiklehrerinnen und den Lehrerinnen und Lehrern der neuen Generation brachte schließlich drei weitere Schulbücher auf den Markt. VENI VIDI VICI (Eine Mischung aus traditionellem Grammatikunterricht und fortlaufenden Hintergrundsinformationen zu römischer und griechischer Geschichte und Mythologie), FELIX (parallele Grammatik- und Realienabschnitte) und LUDUS (das knappste Unterrichtswerk in Österreich mit einem Minimum an Grammatik und Wortschatz, welches durch Textausgaben mit einer enormen Menge von Erläuterungen und Wortangaben zu den Originaltexten fortgesetzt wird). II. Die Sekundarstufe im österreichischen Schulsystem Schülerinnen und Schüler beginnen die Sekundarstufe im Alter von 10 Jahren und werden dort in drei Schritten ausgebildet. Im ersten Schritt verbringen sie das 5. und 6. Schuljahr ohne spezielle Abschlussprüfung und mit Englisch als erste Fremdsprache für alle. Im 2. Schritt gibt es die Möglichkeit, Latein (in der so genannten Langform) mit einem Stundenausmaß von insgesamt 19 Wochenstunden (4/3/3/3/3/3) bis zum 12. Schuljahr oder eine andere Fremdsprache, meistens Französisch, Italienisch oder Spanisch mit ebenfalls 19 Wochenstunden bis zum 12. Schuljahr dazu zu wählen, oder sich für eine weitere Schullaufbahn ohne zusätzliche Fremdsprache, aber dafür mehr Mathematik und Naturwissenschaften zu entscheiden. Auch der 2. Schritt endet ohne Abschlussprüfung nach der 8. Schulstufe. Der dritte Schritt umfasst die 9. bis zur 12. Schulstufe. Schülerinnen und Schüler können Kurzlatein im Umfang von 12 Wochenstunden (3/3/3/3), Griechisch, Französisch, Naturwissenschaften, Musik und Kunst oder Informatik wählen. In der 10. Schulstufe wählen die Schülerinnen und Schüler 4 zusätzliche Stunden (2/2) in einer Sprache oder einem anderen Fach als so genannte Wahlpflicht-gegenstände, die für das Ablegen der REIFEPRÜFUNG, der Abschlussprüfung im 12. Schuljahr, von Bedeutung sind. Momentan ist Latein noch immer Voraussetzung für das Studium von etwa 40 Universitätsstudien, sogar für Medizin und Jus. Nächstes Jahr werden wir versuchen, zusammen mit der Humboldt Universität von Berlin in Anlehnung an den europäischen Referenzrahmen für Sprachen einen europäischen Rahmenplan für klassische Sprachen als Voraussetzung für Universitätsstudien zu entwickeln. III. Klassische Fächer innerhalb der Sekundarstufe in Österreich Im Schuljahr 1987/8 wurden 75000 Schülerinnen und Schüler in Latein und 2383 in Griechisch unterrichtet. Im Schuljahr 2001/02 nahmen 53040 Schülerinnen und Schüler Lateinunterricht und 994 Griechisch. 2003/04 fanden für die Sekundarstufe zuständige Politiker echtes Interesse an der Stellung unserer Gegenstände, was sich in der Absicht spiegelt, innerhalb der nächsten Jahre für alle Schülerinnen und Schüler ein Basislateinmodul in der 5. und 6. Schulstufe (2/2 Wochenstunden) einzuführen. Danach sollte es für Schülerinnen und Schüler leichter sein, sich für gesprochene oder klassische Sprachen oder Naturwissenschaften zu entscheiden als jetzt. Die wichtigste Errungenschaft war die Entwicklung eines neuen Lehrplans für Latein und Griechisch für die 9. bis zur 12. Schulstufe beginnend mit Herbst 2004. Zum ersten Mal gibt es keinen verpflichtenden Kanon bestimmter Autoren mehr, sondern vorgeschriebene Themen, deren Inhalt alle Jahrhunderte, in denen Latein und Griechisch die Geschichte, Architektur, Kunst, Religion und Rhetorik prägten, umfassen. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.lateinforum.at.
Das Hauptaugenmerk der neuen Maturarichtlinien in der 12. Schulstufe im Schuljahr 2008/09 wird darauf liegen, ihre beiden Grundbestandteile, nämlich den Bereich für den die einzelnen Schulen mit den Wahlpflichtgegenständen verantwortlich sind, und den Bereich der Prüfung, der zentral von einer ministeriellen Prüfungskommission vorbereitet wird, in Einklang zu bringen. Der Schwerpunkt des neuen Systems liegt auf dem literarischen Wert und dem Inhalt der im Unterricht behandelten Texte. IV. Wie wird man Lehrer/in der klassischen Sprachen in Österreich? Das Prozedere dabei ist ziemlich klar. Schülerinnen und Schüler beginnen nach dem Ablegen der Reifeprüfung das Studium der klassischen Philologie an der Universität, welches normalerweise drei Jahre dauert und bis zum Baccalaureat führt. Im Anschluss daran kann nach einem weiteren Studienjahr der Titel MAGISTER PHIL. (mit Lehrbefähigung) erworben werden, der zum Unterricht in jeder österreichischen Schule befähigt. Im Unterrichtspraktikum werden schließlich die individuellen Fähigkeiten nochmals auf die Probe gestellt, bevor man tatsächlich ausgebildeter Lehrer/ausgebildete Lehrerin ist. V. Weitere Informationen Weitere Informationen finden Sie unter www.lateinforum.at und und www.schule.at.
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