|
von Elisabeth Nedergaard,
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
I. Historischer Überblick Latein wurde im Rahmen der Christianisierung im 10. Jahrhundert nach Dänemark gebracht und wurde ursprünglich in Klöstern gelehrt. Nach der Reformation 1536 waren die Schulen nicht mehr länger katholisch. Es wurde dafür eine Reihe von Lateinschulen im ganzen Land für all die, welche ein Universitätsstudium anstrebten (Theologie), gegründet. Neben Latein wurde jetzt auch Altgriechisch unterrichtet. Die Tradition der Lateinschulen blieb bis zu einer größeren Schulreform im Jahre 1903 ungebrochen. Die Schulreform 1903 brach mit der langen und stark humanistisch ausgerichteten Bildungstradition der Lateinschulen. Unter dem Einfluss von Norwegen wurde die Sekundarstufe II in drei Zweige eingeteilt, den klassisch- sprachlichen, den neu-sprachlichen/humanistischen und den naturwissenschaftlichen Zweig. Um den Verlust von Altgriechisch als Kulturträgerfach auszugleichen, wurde der neue Gegenstand "Oldtidskundskab" (Antike Zivilisation) eingeführt, um den Studentinnen und Studenten einen Einblick in der wichtigsten Aspekte klassischer griechischer Kultur zu gewähren. Lediglich die Texte wurden jetzt in dänischer Übersetzung gelesen. Die Reform von 1903 war ein Erfolg und blieb über 50 Jahre in Kraft. In dieser Zeit wuchs die Zahl der Oberstufenschülerinnen und –schüler von weniger als 1000 auf mehr als 5000. Zwischen 1958 und 1963 wurden die drei Zweige der Oberstufe auf zwei reduziert, den neu-sprachlichen/humanistischen und den naturwissenschaftlichen Zweig. Nach dem ersten Jahr wurden die beiden Zweige in speziellere Formen unterteilt. Im Jahr 1975 legte ein neues Elementarschulgesetz eine neunjährige Grundschule für alle fest und 1979 wurde Latein als Voraussetzung für den neu-sprachlichen/humanistischen Zweig der Oberstufe abgeschafft. Eine neue Schulreform machte 1988 aus dem Oberstufensystem ein neues System, welches ebenfalls zwei Formen (humanistisch/sprachlich und naturwissenschaftlich) allerdings ohne weitere Untergliederungen umfasste. Statt dessen wird den Schülerinnen und Schülern eine Reihe von Wahlmöglichkeiten geboten, die ihnen die Chance gibt, die Schwerpunkte der Prüfungen ihren Vorstellungen anzupassen. Mit einigen Anpassungen ist diese Reform noch immer die Grundlage für das heutige Schulsystem (2004, siehe unten). II. Die Sekundarstufe im dänischen Schulsystem Das Oberstufensystem der Sekundarstufe besteht im Jahr 2004 aus vier verschiedenen Ausbildungstypen: "Det almene gymnasium/stx" = Die allgemeinbildende Oberstufenausbildung (3 Jahre, die zum "studentereksamen" = examen artium führen) "Hoejere forberelseskursus/hf" = Höherer Vorbereitungskurs (2 Jahre, die zu einer Art "studentereksamen" führen, obwohl er ursprünglich als Vorbereitung für mittellange weitere Studien gedacht war) "Handelsgymnasiet/hhx" = Wirtschaftliche Ausbildung (3 Jahre, die zum "Hoejere handelseksamen" führen) "Det tekniske gymnasium/htx" = Technische Ausbildung (3 Jahre, die zum "Hoejere teknisk eksamen" führen)
Der Lehrplan der letzten beiden Typen enthält überhaupt keinen Unterricht in den klassischen Gegenständen und der höhere Vorbereitungskurs auch nur selten. Für die Schülerinnen und Schüler, die eine breitere Allgemeinbildung inklusive Ausbildung in klassischen Sprachen wünschen, ist die allgemeinbildende Oberstufenausbildung vorzuziehen. Statistiken des Jahres 1995 zeigen, dass der Anteil der Schülerinnen und Schüler in der allgemeinbildenden Oberstufenausbildung auf 35% angewachsen ist. III. Klassische Fächer innerhalb der Sekundarstufe in Dänemark In der humanistisch/sprachlichen Form der allgemeinbildenden Oberstufenausbildung wird Latein in drei Stufen unterrichtet:
Verpflichtendes Latein (1.g, C-Stufe) wird im ersten Jahr, wenn die Schülerinnen und Schüler zwischen 16 und 18 Jahre alt sind, im Ausmaß von 3 Wochenstunden a 45 Minuten unterrichtet. 8 bis 12 Seiten lateinischer Originaltexte bilden die Basis für eine abschließende mündliche Prüfung (25 Minuten mit 25 Minuten Vorbereitungszeit). Optionales Latein (1 Jahr, B-Stufe) ist ein Gegenstand der mittleren Stufe und wird ein Jahr lang im Ausmaß von 4 Wochenstunden a 45 Minuten unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler lesen 40 Standardseiten lateinischer Originaltexte, von denen 20 als Material für eine abschließende mündliche Prüfung (30 Minuten mit 30 Minuten Vorbereitungszeit) dienen. Optionales Latein (2 Jahre, A-Stufe) ist ein zweijähriges Fach auf fortgeschrittenem Niveau. Es wird zwei Jahre lang im Ausmaß von 5 Wochenstunden a 45 Minuten unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler lesen etwa 100 Standardseiten lateinischer Originaltexte und 150 Seiten in dänischer Übersetzung. Von den 100 Lateinseiten werden 50 als Basis für eine abschließende mündliche Prüfung ausgewählt (30 Minuten mit 30 Minuten Vorbereitungszeit). A-Stufen Latein beinhaltet auch eine schriftliche Prüfung nach dem letzten Jahr. Schülerinnen und Schüler der naturwissenschaftlichen Form haben die Möglichkeit Latein der C-Stufe in ihrem zweiten oder dritten Jahr zu lernen. Das Fach wird im Ausmaß von 4 Wochenstunden a 45 Minuten unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler lesen 25 Standardseiten. Von diesen bilden 15 Seiten lateinischer Originaltexte die Grundlage für eine abschließende mündliche Prüfung (25 Minuten mit 25 Minuten Vorbereitungszeit). C-Stufen Latein im höheren Vorbereitungskurs ist ein Gegenstand, der ein Jahr im Ausmaß von 4 Wochenstunden a 45 Minuten unterrichtet wird. Die Schülerinnen und Schüler lesen 20 Standardseiten Latein, von denen 12 Originaltexte sein müssen. Die Prüfung baut auf den 12 Originaltextseiten auf, beinhaltet aber auch unbekannte Texte derselben Autoren oder Themen. Die Prüfung (25 Minuten mit 25 Minuten Vorbereitungszeit) ist verpflichtend, wenn man den Gegenstand abschließen will.
In der allgemeinbildenden Oberstufe ist Griechisch der A-Stufe ein zweijähriger Freigegenstand, der entweder alleine oder in Kombination mit zweijährigem A-Stufen Latein gewählt werden kann. Es wird in einem Ausmaß von 5 Wochenstunden a 45 Minuten im zweiten Jahr und 8 Wochenstunden a 45 Minuten im dritten Jahr (inklusive Antike Zivilisation) unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler lesen ungefähr 100 Standardseiten griechischer Originaltexte und 300 bis 500 Standardseiten griechischer Texte in dänischer Übersetzung. Darüber hinaus beschäftigt man sich mit einer repräsentativen Anzahl von Denkmälern (Vasen, Skulpturen, Architektur inter alia) aus der Zeit zwischen 700 und 500 v. Chr. 50 Seiten der griechischen Lektüre und eine repräsentative Auswahl von den studierten Denkmälern bilden die Grundlage für eine abschließende mündliche Prüfung (30 Minuten mit 30 Minuten Vorbereitungszeit). Wie bei Latein auf fortgeschrittenem Niveau gibt es auch in Griechisch der A-Stufe eine zentrale schriftliche Prüfung nach dem letzten Jahr. C-Stufen Griechisch erscheint in der Stundentafel der allgemeinbildenden Oberstufe als einer von vielen Freigegenständen mittleren Niveaus. Griechisch auf diesem Niveau beinhaltet keine Stunden in Antiker Zivilisation. Die Schülerinnen und Schüler lesen 25 Standardseiten griechischer Texte. 15 Seiten griechischer Originaltexte bilden die Basis für eine abschließende mündliche Prüfung (25 Minuten mit 25 Minuten Vorbereitungszeit).
Antike Zivilisation ist ein verpflichtender C-Stufen Gegenstand in der allgemeinbildenden Oberstufe in Dänemark. Es wird in einem Ausmaß von 3 Wochenstunden a 45 Minuten im letzten Schuljahr des Gymnasiums unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler müssen etwa 300 Standardseiten von Texten in dänischer Übersetzung lesen. Die Texte müssen sowohl Dichtung, Drama als auch Prosa beinhalten. Homer, die attische Tragödie und Plato müssen vertreten sein. Zusätzlich zu den Texten beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit einer Auswahl von Denkmälern aus derselben Zeit wie das Textmaterial. Als Grundlage für eine abschließende mündliche Prüfung (25 Minuten mit 25 Minuten Vorbereitungszeit) werden 40 Standardseiten Dichtung (inklusive Homer), 100 Seiten Prosa (inklusive Platon) und ein Drama genommen. Zum Prüfungsstoff gehört auch eine repräsentative Auswahl von im Unterricht besprochenen Denkmälern.
Schülerinnen und Schüler des höheren Vorbereitungskurses können antike Zivilisation als einen C-Stufen Freigegenstand in den letzten beiden Jahren wählen. Der Gegenstand ist identisch mit der C-Stufe der allgemeinbildenden Oberstufe (siehe oben), nur die Prüfung ist für Schülerinnen und Schüler des höheren Vorbereitungskurses verpflichtend.
2005 werden sowohl die allgemeinbildende Oberstufe als auch der höhere Vorbereitungskurs völlig neu gestaltet. Die allgemeinbildende Oberstufe ist nicht mehr in zwei Formen gegliedert. Latein als Pflichtfach wird somit abgeschafft werden, wird aber weiterhin als Teil eines kurzen sprachlichen Einleitungskurses für alle angeboten werden (ein fächerübergreifendes Fach von etwa 45 Stunden, von denen 20 Einheiten Arbeit an lateinischen Kleintexten inkludieren). Latein und Griechisch wird man nach wie vor als Freigegenstände (A- und C-Stufe) und klassische Zivilisation als Pflichtgegenstand finden. Die Schwerpunkte der Reform liegen auf fächerübergreifender Zusammenarbeit und Projektunterricht. IV. Wie wird man Lehrer/in den klassischen Sprachen in Dänemark Um ein Lehrer/eine Lehrerin in einer allgemeinbildenden Oberstufe in Dänemark zu werden, müssen Sie zwei Fächer an einer Universität studieren. Normalerweise besteht ein Studium aus einem Hauptfach, welches man dreieinhalb Jahre studiert (inklusive Dissertation) und einem Nebenfach, das man eineinhalb Jahr lernt. Griechisch, Latein und antike Zivilisation können an den Universitäten Kopenhagen, Aarhus und Odense studiert werden. Kopenhagen und Aarhus haben auch Institute für klassische Archäologie.
Das Schulpraktikum besteht aus einem zweijährigen Lehrgang, der theoretische und praktische Ausbildung beinhaltet. Der/die angehende Lehrer/in muss in der Ausbildungsphase in einer Schule angestellt sein. Hier wird der Student/die Studentin im ersten Jahr in den Klassen seines/ihres Betreuungslehrers unterrichten, während er/sie im zweiten Jahr eigene Klassen übernimmt. Ein pädagogischer Trainer an der Schule schreibt eine Beurteilung des Kandidaten/der Kandidatin am Ende des zweiten Jahres. Zwei externe Begleiter verfolgen die Entwicklung des Kandidaten/der Kandidatin.
Nach der Lehrerausbildung kann sich der Kandidat/die Kandidatin an jeder Schule, bei der eine Stelle ausgeschrieben wird, bewerben. Die Direktorinnen/Direktoren entscheiden vor Ort, wen sie anstellen möchten. Es gibt keine zentralisierte Bewerbungsstelle. V. Weitere Information Der Website des dänischen Unterrichtsministeriums: http://us.uvm.dk/gymnasie/almen/lov/?menuid=150555
|