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von Annarella Perra,
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I. Historischer Überblick Der Unterricht in den klassischen Sprachen hat in den letzten 200 Jahren einen großen Wandel erfahren und war zahlreichen Reformen ausgesetzt, die eine recht komplexe italienische Bildungslandschaft bewirkt haben. Nach dem Humanismus war Latein jahrhundertlang der wichtigste Gegenstand der Stundenpläne und seine Vorherrschaft währte lange Zeit. Es war offiziell ab dem 17. Jahrhundert durch die "Ratio Studiorum" (Grammatik, Rhetorik, Latinitas Classicorum) der Jesuitenschulen geprägt, wo Cicero (De officiis) als einziges Vorbild galt. Altgriechisch wurde anfänglich nicht als Teil der ratio studiorum betrachtet. 1859 wurde Altgriechisch zuerst durch das Casati Gesetz in der humanistischen Schule eingeführt, die damals durch verschiedene Programme und Vorschriften aus dem Jahr 1860/1862 geregelt wurde, welche diesem Fach 10 Wochenstunden zugestanden. 1867 wurden verschiedene unterschiedliche Handbücher für Griechisch publiziert (z.B. Curtius, Burnouf), aber Altgriechisch wurde nur an den Universitäten in Padua und Pavia unterrichtet. Institutionelle Programme wurden zuerst 1893 (Martini Decretum) geschrieben und Griechisch wurde 1904 ein Freifach im dritten (letzten) Jahrgang des Lyceums. Explizites Lesen antiker griechischer Texte (Homer, Tragödien oder Komödien) wurde 1911 von Minister Credaro eingeführt. Danach war Altgriechisch ein eigenes Unterrichtsfach in italienischen Oberstufenschulen. Seit 1923 werden lediglich vier Wochenstunden diesem Gegenstand in humanistischen Schulen gewidmet. Abgesehen von einigen Einschränkungen und Neudefinitionen von Lehrplänen gab es im letzten Jahrhundert nur wenige Veränderungen, wobei die wichtigsten 1965, 1967 und 1991 stattfanden. Latein hat andererseits als Unterrichtsfach in der Schule beträchtliche Reformen erfahren und der Unterricht selbst hat sich maßgeblich verändert. Minister Gentile machte Latein 1923 zu einem Teil des Stundenplans im zweiten und dritten Jahr der Sekundarschule (scuola media inferiore, Alter 11 bis 13), 1963 wurde es allerdings im dritten Jahr zu einem Freigegenstand und nur mehr im zweiten zu einem verpflichtenden Fach gemacht. Als verpflichtendes Fach wurde es in der Unterstufe erst 1977 (Gesetz 348) und 1979 (DPR 50, bezüglich neuer Lehrprogramme) abgeschafft. Seit damals werden Schülerinnen und Schülern nur mehr zwischen 14 und 18 in Latein unterrichtet und die Wochenstundenzahl wurde wesentlich reduziert: 1860 waren noch 37 Wochenstunden erlaubt, 1880 32 Wochenstunden und seit 1923 bis heute allgemein (bis auf ein paar Schulversuche, z.B.: Brocca Kurse) 5 Wochenstunden. Keine dieser Reformen hat allerdings die offiziellen Lehrinhalte der Gegenstände betroffen: Lehrerinnen und Lehrer haben über die Jahre verschiedene pädagogische Methoden im Latein- und Griechischunterricht eingesetzt und sie können nach wie vor ihre bevorzugten Methoden einsetzen, den es herrscht Methodenfreiheit. Alle denkbaren Unterrichtsmethoden, von natürlichen oder globalen bis zu systemischen, werden angewendet. Wichtig dabei ist überall, dass die vorbestimmten Lehr- und Lernziele beachtet und erreicht werden. II. Die Sekundarstufe im italienischen Schulsystem Das aktuelle italienische Sekundarstufensystem ist das Ergebnis zahlreicher Reformen während der letzten 200 Jahre. 1859 wurde das Sekundarstufensystem reorganisiert:
5 Jahre Gymnasium und 3 Jahr Lyceum 1949 wurde der erste Teil des Systems von Minister Bottai modifiziert und in 3 Jahre "Scuola Media Inferiore" und 2 Jahre Gymnasium aufgeteilt, an die sich 3 Jahre Lyceum anschlossen. Bis 1962 wurde Latein in allen 7 Schulstufen unterrichtet, ab 1977 in 5. Das klassische Lyceum, wo Latein und Altgriechisch grundlegende Fächer waren, galt lange Zeit als Oberstufenschulform mit dem höchsten Ansehen. Dieses Modell war das älteste in italienischen Schule und war lange Zeit sehr beliebt, was sich auch in hohen Schülerzahlen ausdrückte. 1923 wurden neue Schulformen eingeführt, wie etwa das wissenschaftliche Lyceum und das Magister Institut: Beide hatten Latein als Unterrichtsgegenstand in der Stundentafel, aber nicht als Teil des Kernbereichs. Beide Formen wurden von Minister Gentile eingeführt. Heute gibt es in Italien folgendes System: 5 Jahre Elementarschule
3 Jahre Unterstufe der Sekundarschule, z.B. die allgemeine "scuola media"
5 Jahre Oberstufe Das erste Jahr der Oberstufe muss von den Schülerinnen und Schülern im Alter von 15 absolviert worden sein. Gegenwärtig (2003/2004) greift unter Minister Moratti eine neue Reform und weitere Neuerungen sind in nächster Zukunft im italienischen System zu erwarten. Ursprünglich war das Bildungsangebot der Oberstufe in geisteswissenschaftliche und technische Fächer eingeteilt. Die geisteswissenschaftlichen Fächer sprachen früher die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler an, aber in den letzten Jahren wurden viele neue Schulen gegründet, um den wachsenden Bedarf am berufsbildenden und technischen Sektor zu decken: Diese haben einen sehr regen Zuspruch. III. Klassische Fächer innerhalb der Sekundarstufe in Italien In Italien wird Latein heute in verschiedenen Schultypen angeboten, während Griechisch nur im klassischen Lyceum unterrichtet wird. Alle Lehrpläne und Programme werden zentral verwaltet. Latein und Griechisch werden als eigenständige Fächer und nicht wie in anderen europäischen Schulen in Form des Gegenstands Antike Zivilisation integriert unterrichtet. Griechisch wird im normal-klassischen Lyceum, im experimental-klassischen Lyceum (Brocca, Proteo, internationales Lyceum), europäischen Lyceum und in der Europaschule angeboten. Es gibt vier Grundarten von Schulen, an denen Latein angeboten wird. Die klassischen Schulen beinhalten das normal-klassische Lyceum, das Brocca Lyceum, das Proteo und das internationale Lyceum Lehrpläne In Italien richtet sich der Unterricht in Latein und Griechisch (und aller anderen Fächer) nach ministeriellen Programmen, die vor langer Zeit formuliert und zu verschiedenen Zeiten geändert wurden. Die wichtigsten sind die neuen Programme für Latein und Griechisch, die für die Unterstufe (Scuola Media Inferiore, 3 Jahre von 11 bis 13) angepasst wurden, die neuen Programme aus dem Jahr 1991 (Comm. Brocca) und die totale Abschaffung von Latein als Hauptfach und der Abschlussprüfung auf dieser Schulstufe. Die ministeriellen Lehrpläne sind verpflichtend und legen Formenlehre, Syntax, Autoren und literarische Werke für jede Latein- und Griechischklasse fest. Sie werden vom MIUR festgelegt, da ja das Bildungssystem von Italien zentral gesteuert wird. Die innovativsten Programme sind die "Brocca Programme" (aus dem Jahr 1991), da sie es zum ersten Mal gestatten, das Lehren und Lernen auf der Vermittlung von Spezialwissen nach kompetenzorientierten Bildungszielen aufzubauen, ohne sich lediglich auf Inhalte zu beschränken. Im folgenden Abschnitt können Sie beispielsweise einen kurzen Überblick über die Programme des normal-klassischen Lyceums lesen. Das normal-klassische Lyceum Latein Bis 1967 lag der Schwerpunkt des ersten Jahres des klassischen Lyceums auf Formenlehre, Syntax und Autoren wie Caesar, Sallust, Ovid und Tibull. Im zweiten Jahr standen Cicero und Vergils Aeneis I auf dem Programm. Nach 1967 musste die Textlektüre mehr an das Alter der Schülerinnen und Schüler angepasst werden, sodass die Lehrerinnen und Lehrer freier bei der Auswahl geeigneter Texte wurden. Für die letzten drei Jahre (Triennium) des klassischen Lyceums gibt es folgende Schwerpunkte: 3. Jahr: Römische Literatur von den Ursprüngen bis zu Caesar, mit den Autoren Vergil, Caesar oder Sallust und Cicero 4. Jahr: Römische Literatur von Caesar bis zum augustäischen Zeitalter mit den Autoren Lukrez, Catull, Horaz, Cicero und Livius. 5. Jahr: Römische Literatur vom Zeitalter des Tiberius bis zum fünften Jahrhundert mit den Autoren Tacitus, Seneca oder Augustinus, Plautus oder Terenz einschließlich der Metrik Griechisch Der Schwerpunkt des ersten Jahres des klassischen Lyceums liegt auf der Vermittlung grundlegender Formenlehre und Syntax. Beide werden im zweiten Jahr abgeschlossen. Für die letzten drei Jahre (Triennium) des klassischen Lyceums gibt es folgende Schwerpunkte: 3. Jahr: Griechische Literatur von den Anfängen bis Pindar mit Homers Ilias I und historischen Werken 4. Jahr: Griechische Literatur aus der attischen Periode mit den Lyrikern und Platon 5. Jahr: Griechische Literatur des Hellenismus anhand einer Tragödie und einer Rede Überprüfungen und Beurteilung Lehrerinnen und Lehrer müssen den Lernfortschritt ihrer Schülerinnen und Schüler in Latein und Griechisch in nahezu allen Stufen durch regelmäßige Tests, die generell sowohl mündlich als auch schriftlich (In einigen Stufen wird versuchsweise nur mündlich geprüft) erfolgen, überprüfen. Ministerielle Vorgaben empfehlen eine hohe Zahl von Überprüfungen in jedem Schulsemester, um den Lernfortschritt der Schülerinnen und Schüler zu evaluieren und das Erreichen spezifischer Ziele zu erkunden. Allgemeine Abschlussprüfungen in allen Gegenständen wurden erstmals 1923 eingeführt. Diese wurden 1969 und mit einigen Varianten erneut zwischen 1997 und 2003 abgeändert. Heute gibt es drei schriftliche und eine mündliche fächerübergreifende Prüfung. Latein und Griechisch sind jedoch nur im klassischen Lyceum Hauptfächer, sodass Maturantinnen und Maturanten ihr Wissen in diesen Fächern mit einer schriftlichen Prüfung, die immer aus der Übersetzung eines Textes ins Italienische (die Prüfung wird zentral vom MIUR zusammengestellt) besteht, einer schriftlichen sowie einer mündlichen fächerübergreifenden Prüfung (Erstere wird von den Kolleginnen und Kollegen jeder Schule zusammengestellt), beweisen müssen. Die Moratti Reform Im Jahr 2003 wurde Gesetz 28. März, n.53 eingebracht aber nicht sofort ratifiziert (veröffentlicht im U.G. 2. April 2003, n.77, bekannt als Delega al Governo per la definizione delle norme generali sull’istruzione e dei livelli essenziali delle prestazioni in materia di istruzione e di formazione professionale): Das jüngste Dokument (“Schema di Decreto”) wurde am 27. Mai 2005 beschlossen und schlägt vor, dass die 5-jährige Ausbildung auf der Sekundarstufe für 14- bis 18-Jährige auf zwei verschiedene Arten erfolgt: istruzione secondaria di 2° grado, unter der Aufsicht der Regierung istruzione e formazione professionale, unter der Aufsicht regionaler Bildungsbehörden
Diese Reform führt das 2+2+1 System (Erstes Biennium, Zweites Biennium, Letztes Jahr (Monoennium)) in der Oberstufe ein. Das erste Biennium wird von den 14- 15-Jährigen, das zweite Biennium von den 16-17-Jährigen besucht und das letzte Jahr konzentriert sich auf die Vorbereitung auf die Universität oder die berufsbildenden Schwerpunkte der 18-Jährigen. Dieses Ausbildungsschema ist ab 2006-2007 gültig. Sekundarschulen wurden Licei genannt und werden in 8 verschiedene Typen eingeteilt: artistico classico economico linguistico musicale e coreutico scientifico tecnologico scienze umane
Die klassischen Sprachen Latein und Griechisch werden im Liceo Classico und nur Latein auch im Liceo Linguistico, Scientifico und Scienze Umane mit etwas reduzierter Wochenstundenzahl nach folgender Tabelle angeboten. Liceo Classico
| I Jahr
| II Jahr
| III Jahr
| IV Jahr
| V Jahr
| Lateinische Sprache und Kultur
| 4
| 4
| 4
| 4
| 4
| Griechische Sprache und Kultur
| 4
| 4
| 3
| 3
| 3
| Liceo Linguistico
| I Jahr
| II Jahr
| III Jahr
| IV Jahr
| V Jahr
| Lateinische Sprache und Kultur
| 3
| 3
| -
| -
| -
| Liceo delle Scienze Umane
| I Jahr
| II Jahr
| III Jahr
| IV Jahr
| V Jahr
| Lateinische Sprache und Kultur
| 3
| 3
| 2
| 2
| -
| Liceo Scientifico
| I Jahr
| II Jahr
| III Jahr
| IV Jahr
| V Jahr
| Lateinische Sprache und Kultur
| 3
| 3
| 2
| 2
| -
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Wenn sie diese Tabelle mit der Übersicht oben vergleichen, werden Sie erkennen, das Latein im Liceo Classico von 5 auf 4 Wochenstunden (wie in den Brocca Kursen) und im Liceo Scientifico auf 3 oder 2 Wochenstunden, wobei im letzten Jahr Latein gar nicht mehr aufscheint, reduziert wurde. Im Liceo delle Scienze Umane gibt es in Latein dieselbe Stundentafel wie im Liceo Scientifico. Seit 2004 haben MIUR Kommissionen die nationalen O.S.A. (Obiettivi Specifici d’Apprendimento, i.e. spezifische Lerninhalte) für die Schulen in verschiedenen Stufen definiert, und, wie Sie oben lesen können, werden die klassischen Studien als Lateinische Sprache und Kultur und Griechische Sprache und Kultur bezeichnet. Im Rahmen dieses Prozesses wurden Lehrpläne (zuletzt im Mai 2005) für jedes Fach erstellt, die das Wissen und die Lernziele der Schülerinnen und Schüler, die Schwerpunkte und sowohl verpflichtende als auch optionale Inhaltsbereiche definieren. Als kurzes Beispiel finden Sie unten einige Details zu den Lernzielen in Latein im ersten Biennium des Liceo Classico (14-15 Jährige) Schülerinnen und Schüler müssen in der Lage sein: Texte richtig zu lesen über einen allgemeinen Grundwortschatz zu verfügen das Vokabular richtig einzusetzen syntaktische, morphologische und lexikalische Strukturen zu erkennen eigenständig einfache Texte (Dichtung und Prosa) zu verstehen und zu übersetzen eine Recherche hinsichtlich lateinischer Sprache und Kultur mit Hilfe von IKT zu planen und durchzuführen
Weitere Details finden Sie auf dem Website des MIUR unter http://www.istruzione.it IV. Wie wird man Lehrer/-in der klassischen Sprachen in Italien Um ein Lehrer oder eine Lehrerin der klassischen Sprachen zu werden, brauchen wir einen Universitätsabschluss und ein abgeschlossenes Universitätsstudium in klassischer Philologie. Das war im früheren System so und ist auch heute noch gleich. Bis ins 20. Jahrhundert gab es lediglich einen gewöhnlichen Universitätslehrgang für alle (4 Jahre Minimum): Dies wurde aber im neuen Millennium reformiert und es gibt heute einen dreijährigen allgemeinen Universitätslehrgang und eine zweijährige Spezialausbildung im Anschluss daran. Um diese Fächer unterrichten zu können, sind einige Prüfungen verpflichtend (2 in lateinischer Literatur, 2 in griechischer Literatur, inter alia). Es gibt auch schriftliche Klausuren (Übersetzung oder anderes) vor den mündlichen Prüfungen in Latein und Griechisch. Studentinnen und Studenten können in ihrem Studium Schwerpunkte auf Bereiche wie Philologie, Geschichte, Archäologie, Epigraphik, römische und griechische Kultur setzen, je nach Angebot der verschiedenen italienischen Universitäten. Bis vor wenigen Jahren konnte man nach dem Universitätsabschluss nur nach Ablegen einer wettbewerbsmäßigen Prüfung (schriftlich und mündlich über alle Studieninhalte) Lehrerin/Lehrer werden. Seit der Einführung der SSIS (Scuola di Specializzazione per l'Insegnamento Superiore) in den Neunzigern müssen angehende Lehrerinnen und Lehrer eine zweijährige Spezialausbildung absolvieren. Die jüngsten Reformen des 21. Jahrhunderts haben eine neue universitäre Verwaltung der Lehrerausbildung eingeführt, die aber nicht die SSIS betreffen. Hat einmal ein Lehrer/eine Lehrerin einen Universitäts- und einen SSIS-Abschluss (oder besitzt er/sie ab 2006-2007 durch das neue Prüfungssystem eine Lehrbefähigung nach Gesetz 28. März, n.53), kann er/sie sich nach Eintragung in einer Liste um eine Dienststelle bewerben. Die Vergabe der Dienstposten wird von zentralen Behörden nach der Reihung auf der Liste erledigt. Posten werden auf Zeit als I.T.D (befristete Vertragslehrer) oder manchmal auch als I.T.I. (unbefristete Vertragslehrer) je nach Entscheidung der zentralen Behörde (MIUR) vergeben. V. Weitere Information Die folgenden Links führen zu weiteren Informationen: http://www.edscuola.it http://www.tecnicadellascuola.it http://www.istruzione.it
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