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von Francisco de Oliveira,
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I. Historischer Überblick Der Lateinunterricht ist in Portugal seit der Unabhängigkeit im 12. Jahrhundert dokumentiert und erfuhr einen Höhepunkt im sechzehnten Jahrhundert, als die Entwicklung der Sprache und der umgangssprachlichen Literatur maßgeblich vom Humanismus beeinflusst wurde. In der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts wurden nach der Vertreibung der Jesuiten, Anhänger des Aristotelismus, die vorher das Bildungssystem dominierten, die Anhänger der Redekunst mit ihren neuen Methoden und Büchern favorisiert. Der Unterricht in Latein und Griechisch wurde damals für nahezu das gesamte Königreich standardisiert, obgleich Griechischkenntnisse als Aufnahmevoraussetzung für die Universität nicht mehr länger erforderlich waren, als Studentinnen und Studenten von Gebieten kamen, wo es keine entsprechenden Lehrer gab. Im neunzehnten Jahrhundert begann der klassische Einfluss in den Bereichen von Jus und Medizin, wo die Bedeutung der Tradition des Galen abnahm, etwas nachzulassen. Die Situation der klassischen Sprachen verschlechterte sich so sehr, dass im Jahre 1894 Gonçalves Guimarães bereits die Abschaffung des Unterrichts in diesen Sprachen vorhersah. Im 20. Jahrhundert brachten Bildungsreformen am Ende der Sechzigerjahre zunächst eine Zunahme der Schülerzahlen in Latein und Griechisch. Aufgrund von Veränderungen im Bildungssystem seit den Neunzigern und noch verstärkt durch eine gewaltige Abnahme der Bevölkerungszahlen hat ein großer Einbruch im Bereich des Unterrichts in den klassischen Sprachen stattgefunden. Die gegenwärtige Situation ist tatsächlich alarmierend, sowohl im Elementar- und Sekundarschulbereich als auch an den Universitäten. II. Die Sekundarstufe im portugiesischen Schulsystem Das Bildungsprogramm der neunjährigen (ab 2004-2005 zwölfjährigen) Schulpflicht ist standardisiert durch einen einheitlichen Basisunterricht bis zum Alter von 15 Jahren, wo klassische Inhalte keinen Platz haben. Die Möglichkeit Latein (Griechisch ist praktisch dem Tod geweiht) zu wählen, wurde den Schülerinnen und Schülern, die sich für eine von vier geisteswissenschaftlichen Fächergruppen gemeldet haben, im Alter von 15 gegeben. Dann haben sie entweder zwei oder, wenn sie klassische Sprachen an der Universität studieren wollen, drei Jahre Latein oder Griechisch. Ab 2004/2005 wird die Wahlmöglichkeit noch mehr eingeschränkt werden, da Latein nur mehr in der Stundentafel von Sprachen und Literatur, einem von fünfzehn angebotenen neuen Fächergruppen, und auch das nur als Wahl- und nicht als Pflichtfach, angeboten wird. Bei diesem Angebot können Schülerinnen und Schüler Latein für zwei Jahre (10. und 11. oder 11. und 12. Jahr) zu 3 Wocheneinheiten a 90 Minuten wählen. Nur wenige Schülerinnen und Schüler entscheiden sich für ein drittes Jahr. Bezüglich Griechisch gibt es nur einen optionalen Kurs im 12. Jahr. Die neue Reorganisation des Schulsystems, die im Wesentlichen von den Bedürfnissen der Rationalisierung motiviert ist, wird die Zahl der Schulen, die Latein und Griechisch anbieten können, weiter reduzieren und auch in diesen Schulen darf kein Gegenstand mit weniger als fünfzehn Schülerinnen und Schülern geführt werden, was die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Latein noch mehr reduzieren wird. Tatsächlich hat die Zahl der Lateinschüler vom Schuljahr 1994/1995 bis zum Schuljahr 2001/2002 von 17453 auf 7374 abgenommen. 2001 gab es im ganzen Land nur mehr 282 Griechisch Schülerinnen und Schüler. Trotz des Fehlens aktueller statistischer Daten kann gesagt werden, dass die Situation in unseren Fächern noch trister wird. In Portugal bieten öffentliche und private Schulen Sekundarstufenbildung an. Obgleich Privatschulen einen immer stärker werdenden Zustrom von Schülerinnen und Schülern verzeichnen können, ist das für den Unterricht der klassischen Sprachen kaum relevant, da sich alle Schülerinnen und Schüler nationalen Abschlussprüfungen, die auf demselben nationalen Lehrplan aufbauen, unterziehen müssen. III. Klassische Fächer innerhalb der Sekundarstufe in Portugal Die nationalen Latein und Griechisch Programme (vom 10. bis zum 12. Jahr) beinhalten kulturelle Themen (Alltag, soziale und politische Strukturen) und geben den Lehrerinnen und Lehrern nur wenige Möglichkeiten, von dem von den nationalen Lehrplänen verordneten klassischen Autorenkanon abzuweichen. Klassische Zivilisation oder Alte Geschichte gibt es nicht als eigene Unterrichtsgegenstände im Sekundarschulbereich. Erst kürzlich wurde von erfahrenen Lehrern die Einführung eines neuen klassischen Gegenstandes zur Auswahl in früheren Jahrgängen (Schülerinnen und Schüler unter 15) empfohlen, allerdings in der Form eines außerplanmäßigen Klubs oder Workshops. Die zentrale Maturaklausur für Schülerinnen und Schüler im Alter von 17 dauert 120 Minuten und besteht zumeist aus einer Übersetzung eines Textes von Cicero, Horaz und Vergil in Latein, und Lukian, Platon oder Xenophon in Griechisch (mit einer Gewichtung von bis zu 60%), Formenlehre und Syntax (mit einer Gewichtung von bis zu 30%), einer Übersetzung aus dem Portugiesischen ins Lateinische oder Griechische, Vokabel von Latein oder Griechisch nach Portugiesisch (10%) und Fragen zur Kultur und Geschichte (10%) besteht. Bis zur Mitte der Siebzigerjahre waren die Lehrwerke einfache Bücher, die von der Regierung im ganzen Land vorgeschrieben wurden (eines für Griechisch, ein anderes für Latein). Diese Bücher waren lediglich Textanthologien, die die Lehrerinnen und Lehrer individuell in den Klassen aufbereiteten. Seit dieser Zeit erschienen drei oder vier neue lateinische Unterrichtswerke. Zu Beginn eines jeden Schuljahres entscheiden die Lehrerinnen und Lehrer bei einem regionalen Treffen, welches Buch von allen Lehrerinnen und Lehrern bzw. Schülerinnen und Schülern der Schule eingesetzt wird. IV. Wie wird man Lehrer/in der klassischen Sprachen in Portugal Seit 1986 obliegt die Lehrerausbildung im Bereich der klassischen Sprachen den Universitäten. Es gibt Studien, deren Länge zwischen fünf und sechs Jahren inklusive eines Jahres Schulpraktikum in Begleitung von Betreuungslehrern aus der Sekundarstufe oder höheren Bildungsanstalten beträgt. Danach können sich die Interessierten in zwei Fächergruppen der Sekundarschule für eine Stelle bewerben. Die Berufsaussichten für Lehrerinnen und Lehrer sind heutzutage allerdings praktisch gleich Null. Wegen des Systems gibt es eine Diskrepanz zwischen dem Universitätsstudium und dem Unterricht in den Fächergruppen innerhalb der Sekundarstufe. Dies führt mitunter auch zu dem Problem, dass von den Universitätsabsolvent/inn/en mitunter Lehrerinnen und Lehrer mit minimaler Erfahrung in Latein oder keiner Erfahrung in Griechisch in Schulen als Lateinlehrer angestellt werden. In Folge der Vereinbarungen von Bologna arbeiten die Universitäten gerade einen neuen Lehrplan für die Lehrerausbildung aus (vielleicht 3+ 2 Jahre) V. Weitere Information Trotz des Vorhandenseins von Zeitschriften, die sich dem Unterricht der klassischen Sprachen in der Sekundarstufe widmen (Boletim de Estudos Clássicos in Coimbra und Classica in Lissabon), gibt es keine spezielle Webseite in Portugal, sodass die Portugiesen das Angebot anderer internationaler Webseiten ausnützen. Im Bereich der höheren Bildung gibt es neben den Fernstudienprogrammen der Universidade Aberta (Offenen Universität) eine Kooperation bei internationalen Projekten oder auch auf nationaler Ebene wie zum Beispiel bei Sapere Aude der Universidade do Minho (Universität von Minho).
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