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Videokonferenzen beim Fernunterricht von Altgriechisch Drucken E-Mail

von Mireille de Biasi, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
 
Hintergrund des Projekts und Bildungsziele
 
Ein namhafter Bildungsbeauftragter der klassischen Sprachen führte diese Unterrichtsmethode im Jahr 2000 im Gebiet der Auvergne ein. Er hatte zuvor einen Versuch der regionalen Bildungsbehörde von Limoges im Umgang damit beobachtet. Diese neue Methode wurde abgelegenen ländlichen Sekundarschulen mit den folgenden Zielen angeboten: Den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu bieten, ein seltenes Freifach zu wählen (wo die kleine Klassengröße die Anstellung eines eigenen Lehrers/einer eigenen Lehrerin der klassischen Sprachen nicht rechtfertigt), ihr Allgemeinwissen zu erweitern, in abgelegenen ländlichen Gebieten zu kommunizieren und IKT einzusetzen. Es wird nun bereits das vierte Jahr den Schülerinnen und Schüler von abgelegenen ländlichen Sekundarschulen im Gebiet Puy-de-Dôme, die sich im dritten Jahrgang befinden, die Gelegenheit geboten, Altgriechisch als Freifach mittels Videoschaltungen zu lernen. Lehrer/-innen und Schüler/-innen arbeiten aus der Entfernung unter dem Einsatz von IKT Systemen, besonders von Videokonferenzen.
 
Übertragung und Empfang
 
Der/die Lehrer/-in arbeitet in der Schule, der er/sie zugeteilt ist, und unterrichtet Schülerinnen und Schüler, deren Schule Dutzende Kilometer entfernt ist. Bisher variierten die Zeitpunkte der Unterrichtseinheiten in Abhängigkeit von den einzelnen Schulen, aber im Jahr 2004 wurden erstmals zwei Schulen gleichzeitig mit einer wöchentlichen Unterrichtseinheit bedient. So konnten zum Beispiel die sechs Schüler/-innen in Cunlhat und die acht Schüler/-innen in Saint Amant gleichzeitig demselben Unterricht beiwohnen. Das verbessert die Zusammenarbeit unter den beiden Gruppen.
 
Ausrüstung

Alle teilnehmenden Schulen sollten mit einem Fernseher und den Geräten, die für eine Videokonferenz notwendig sind, einschließlich einer fernsteuerbaren Kamera und bidirektionaler Mikrophone, ausgestattet sein. Ferner werden auch noch Computer für den/die Lehrer/-in und jede/n einzelne/n Schülerin/Schüler benötigt. Breitbandanschlüsse gibt es in den abgelegenen ländlichen Gebieten Frankreichs noch nicht. Deshalb werden zwei einfache digitale Anschlüsse benötigt: Einen für die Videoübertragung, den anderen für das Internet. Der Unterricht baut auf einem elektronischen Handbuch auf, das in der folgenden Fallstudie beschrieben wird.
 
Räumliche Aspekte des Klassenzimmers

Alle Schülerinnen und Schüler sitzen vor der Kamera und dem Fernseher, auf dem sie ihren Lehrer/ihre Lehrerin sehen und hören können. Jeder hat einen eigenen Computer und eine Mappe, in der er/sie sowohl handschriftliche Notizen als auch Ausdrucke sammelt.
 
Die meisten Schülerinnen und Schüler besitzen keinen eigenen Computer daheim, wo sie das elektronische Handbuch installieren könnten. Dort, wo die finanziellen Mittel nicht ausreichen, müssen die Schülerinnen und Schüler auch mit einem einzigen Gerät auskommen. Dieser wird dann auf einem zentralen Tisch aufgestellt, sodass ihn alle Schülerinnen und Schüler sehen können. Der/die für die Übertragung verantwortliche Lehrer/-in hat ein Whiteboard, von dem er/sie Ausschnitte für seine/ihre Schülerinnen und Schüler vergrößern kann.
 
Kontrolle vor Ort

Während des Unterrichts werden die Schülerinnen und Schüler sowohl aus Sicherheitsgründen als auch aus technischen Gründen von einem Erwachsenen überwacht. Diese Person stellt sicher, dass die Ausrüstung richtig eingesetzt wird und bemüht sich, auftretende technische Probleme zu lösen, wie etwa Unterbrechungen in der Ton- und Bildwiedergabe. Sie beaufsichtigt die Schülerinnen und Schüler während der Überprüfungen und druckt Dateien aus. Sie hilft ihnen, die Anweisungen des Lehrers/der Lehrerin bezüglich ihrer Hausaufgaben zu verstehen. Diese Person gibt dem Lehrer/der Lehrerin auch die für den Schulalltag notwendige Hintergrundsinformation. Diese Person ist zumeist einer der schulischen Leiter.

Stundenplan

Schülerinnen und Schüler in ihrem dritten Jahr der Sekundarstufe können mit drei Wochenstunden Griechisch beginnen. Die Einteilung der Stunden dafür unterliegt sehr strengen Regeln. Verantwortliche Direktoren/Direktorinnen müssen sich im Klaren sein, dass jeder Lehrer/jede Lehrerin für mehrere Schulen verantwortlich ist. Sie müssen sich also absprechen und auf einen Stundenplan einigen. Ich selber bin an der Trémonteix Sekundarschule in Clermont-Ferrand angestellt, unterrichte aber via Videokonferenzschaltungen auch an den Schulen von Cunlhat und Saint-Amant. Drei Direktoren sind in meinem Fall mit der Erstellung eines passenden Stundenplans beschäftigt.
 
Organisation des Unterrichts

Während mancher der drei fünfzigminütigen Wochenstunden wird mit Videokonferenzschaltung und dem elektronischen Handbuch gearbeitet. Zu anderen Zeiten arbeiten die Schülerinnen und Schüler eigenständig und verwenden nur das elektronische Handbuch (siehe die Fallstudie auf Seite 64).

Die Aufgaben des Lehrers/der Lehrerin außerhalb der Unterrichtszeit

Pädagogisch

  • Die Produktion digitaler Lehrmittel.
  • Genaue Planung des Unterrichtsablaufs.
  • Die Entwicklung methodischer Aufzeichnungen, um den Schülerinnen und Schülern beim Erwerb der grundlegenden B2i* Kompetenzen, die bei dieser Art von Fernstudium erforderlich sind, zu helfen.
  • Die Korrektur der Dateien, die von den Schülerinnen und Schülern erstellt werden.
  • Die Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern via E-Mail auch außerhalb der Unterrichtszeit.
  • Die Veröffentlichung der Arbeitsunterlagen auf Arbeitsplattformen zur freien Verfügung für andere Lehrer/-innen.

Technisch

  • Die Evaluierung von Entwicklungen auf dem Sektor der Kommunikationstechnologien.
  • Die Lösung möglicher technischer Probleme, besonders da das Projekt in der Auvergne keinen eigenen technischen Support hat.

Die Aufgaben des Lehrers/der Lehrerin während der Unterrichtszeit
 
Kontaktzeit

  • Die Vorbereitung aller Unterlagen, die den Schülerinnen und Schülern gegeben werden sollen, bereits vor dem Unterricht.
  • Die Sicherstellung der vollen Aufmerksamkeit eines jeden Schülers/einer jeden Schülerin, sodass es keine bloßen Zuseher gibt. Interaktivität ist wesentlich. Der Schüler/die Schülerin muss dem Lehrer/der Lehrerin in der Ferne jede Schwierigkeit, der er/sie begegnet, mitteilen können. Er/sie muss auch in der Lage sein, ihm/ihr und der gesamten Gruppe jedes Element eines Text- oder Bilddokuments zu zeigen und eigene Dokumente (handgeschriebene Notizen und Übungen) zu erstellen.

Zeit ohne Kontakt

  • Die Vorbereitung von Anleitungen für die Schülerinnen und Schüler, die sie bei ihrer Arbeit befolgen müssen: Übungen, Recherche, Wiederholung.
  • Die Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern via E-Mail, um ihnen ständig Lernhilfen anzubieten, ihren Fortschritt zu überwachen und ihnen Daten zu schicken.

Der Lehrer/die Lehrerin in der Ferne beweist sein/ihr Engagement innerhalb des Teams durch:

  • Mitteilung der Noten via E-Mail
  • Teilnahme an Konferenzen des Lehrkörpers und Elternabenden mittels Videoschaltung
  • Beachtung des Schulprofils der anderen Schule
  • Zusammenarbeit mit Lehrern/Lehrerinnen anderer Schulfächer und Treffen von neuen Schülerinnen und Schülern durch Videoschaltungen
  • Durchführung des Fernunterrichts und Gewährleistung der B2i* Kompetenzen

Allgemeine Beobachtungen nach drei Jahren Erprobung
 
Das Projekt erwies sich als eine große Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer. Tatsächlich erhielten sie keine spezielle Ausbildung, und zu Beginn des Projekts hatten sie keine Werkzeuge für eine effiziente Gestaltung des Fernunterrichts zur Hand (z.B. ein elektronisches Handbuch). Die wesentliche Voraussetzung war daher Geduld gepaart mit dem Wunsch, eigene Methoden und Werkzeuge zu entwickeln. Die Bedienung der Ausrüstung für die Videokonferenzen ist recht einfach.
 
Was die Computer betrifft, sollte der Lehrer/die Lehrerin mit Textverarbeitung vertraut sein und in der Lage sein, Dokumente in verschiedenen Formaten zu erstellen. Er/sie sollte ebenfalls ein Dokument mit griechischen Schriftzeichen öffnen und Bilddateien bearbeiten können. Er/sie sollte in der Lage sein, via E-Mail zu kommunizieren und im Internet zu surfen.
 
Diese Art Altgriechisch zu lernen erfordert keine speziellen IKT Kompetenzen auf Seiten der Schüler/-innen.
 
Bekannte Schwierigkeiten

  • Technische Probleme aufgrund von Unterbrechungen der Verbindung und Schwierigkeiten in der Verwendung des Computers. Um diese zu bekämpfen, kann ein Telefonanschluss auf beiden Seiten wichtig sein.
  • Die Auswahl des Klassenzimmers: Die beste Lösung wäre ein schallisolierter Raum, um eine hohe Klangqualität zu garantieren. Ein normales Klassenzimmer kann jedoch auch dafür ausreichen, wenn es mit mehreren Mikrofonen ausgestattet ist.
  • Die Lehrkörper der fernen Schulen halten selten die mit dem Fernunterricht betrauten Lehrerinnen und Lehrer für Mitglieder der eigenen Schule (bei Konferenzen, Elternabenden, oder beim Austausch von alltäglichen Informationen)

Die angemessene Kommunikation zwischen dem Fernlehrer/der Fernlehrerin, dem ganzen Team und der Verwaltung ist eine notwendige Voraussetzung für das Gelingen.
 
Es ist wesentlich für Lehrer/-innen, die mit dem Fernunterricht betraut sind, als Team zusammenzuarbeiten: Sie können ihre Erfahrungen austauschen, technische und pädagogische Probleme lösen und Unterrichtshilfen gestalten. Innerhalb der regionalen Bildungsbehörde von Clermont-Ferrand gibt es zwei von uns, die bereits an vier unterschiedlichen Standorten via Fernunterricht unterrichtet haben. Wir haben über einen Zeitraum von vier Jahren mehrmals wöchentlich Informationen ausgetauscht. Das elektronische Handbuch ist das Ergebnis dieser Zusammenarbeit (siehe HIER).
 
Zusammenfassung
 
Der Einsatz von IKT im Unterricht von Altgriechisch ist eine Möglichkeit, kulturelle Unterversorgung in ländlichen Sekundarschulen zu kompensieren. Neben dem Erlernen von Altgriechisch erwerben die Schülerinnen und Schüler auch IKT Kompetenzen und die Fähigkeit zum Selbststudium. Persönliche Begegnungen von Lehrern/Lehrerinnen und Schülern/Schülerinnen haben sich jedoch als notwendig herausgestellt. Diese Treffen werden sehr geschätzt und es finden drei in jedem Jahr statt: Im September, Februar und Ende Mai. Lehrer/-innen und Schüler/-innen treffen sich an einem Ort, wo sie gewöhnlich kulturelle Aktivitäten miteinander erleben, wie etwa bei Besuchen örtlicher oder nationaler Museen oder Treffen mit lokalen Künstlern, um die moderne und antike Kunst in Keramik und Bildhauerei miteinander zu vergleichen. Virtuelle Vorgänge wurzeln somit in der Realität, und Schülerinnen und Schüler lernen über ihr antikes Erbe.
 
 
* Das B2i (Brevet Informatique et Internet) ist ein Zertifikat über die Fertigkeiten im Umgang mit IKT, das französische Schülerinnen und Schüler innerhalb der ersten vier Jahre in der Sekundarschule erwerben müssen. Einige der Grundkompetenzen sollten bereits in der Volksschule unterrichtet werden.