Es gehört zu unserer täglichen Routine, unsere Ideen zu hinterfragen, bevor wir sie im Unterricht umsetzen. Warum verwenden wir Computer und mobile Geräte? Kann unser Unterricht durch den Einsatz unpersönlicher Technik wirklich verbessert werden? In Bezug auf den alltäglichen Unterricht und den Einsatz von IT-Elementen muss es möglich sein, eine Antwort auf die Frage nach sinnführendem Gebrauch zu finden?

Am besten beginnen wir mit der einfacheren Frage: Was ist in diesem Bereich NICHT sinnführend?

  • Ein Vorgang, bei dem der Computereinsatz keinen „Mehrwert“ erzeugt
  • Ein Vorgang, der genauso gut – oder gar besser – ohne Computer erledigt werden kann
  • Ein Vorgang, bei dem der Computer offensichtlich, außer dem Aspekt des Neuen, keine Vorteile bringt
  • Ein Vorgang, bei dem klassische Lern- und Unterrichtsmethoden immer gut funktioniert haben – und es weiterhin tun

Was IST denn nun der sinnführende Gebrauch?

  • Ein Vorgang, der ohne Computereinsatz nicht durchgeführt werden kann
  • Ein Vorgang, bei dem der Computereinsatz einen eindeutigen „Mehrwert“ erzeugt
  • Ein Vorgang, durch den das Lernen erleichtert wird
  • Ein Vorgang, durch den das Unterrichten effizienter wird

Es gab in der Vergangenheit zahlreiche Versuche, Methoden zur Bewertung von Software zu erstellen, und diese wurden voller Enthusiasmus zur Erfüllung eines angenommenen Bedarfs zum Nachweis der Zweckmäßigkeit des Einsatzes von IT-Hilfsmitteln im Unterricht geschaffen. Über diese Phase sind wir inzwischen hinaus. IT ist ein allgemein verbreitetes Hilfsmittel und wir brauchen seinen Einsatz nicht mehr zu rechtfertigen. In gewisser Weise sind wir jetzt eher mit der entgegengesetzten Reaktion konfrontiert: Lehrer sehen sich gezwungen, die Nichtverwendung von Computertechnik in ihrem Unterricht zu rechtfertigen. Selbst Schulinspektoren und Berater interessieren sich verstärkt für die Präsentation aktueller Technologie im Unterricht.
Einfach gesagt lässt sich ein sinnführender Einsatz als ein Vorgang umschreiben, der das Lernen und dessen Ergebnisse unbestreitbar verbessert. Wenn die Nutzung von Computertechnik eine Aufgabe erleichtern oder einen einzigartigen Lernansatz bieten kann, dann ist sie gerechtfertigt.

Als kreative Lehrerinnen und Lehrer sollten wir alle bereit sein, verschiedenerlei Technologien zu testen, damit zu experimentieren und sie zu bewerten, um zu sehen, was für uns am ehesten hilfreich ist. Was mit einer Schülergruppe in einem Jahr funktioniert, klappt möglicherweise im Jahr darauf mit einer anderen Gruppe überhaupt nicht, und bei der Erstellung einer computergestützten Vorlage oder Übung stellen Sie möglicherweise fest, dass der Vorgang der Erstellung in Bezug auf den Zeitaufwand oder den Nutzwert des fertigen Produktes in keinem angemessenen Verhältnis zu seinem Ergebnis steht. Aber sollte man ein elektronisches Produkt jemals als abgeschlossen betrachten? Dies wirft interessante Fragen auf.

Wir sind der Ansicht, dass der Erstellungsvorgang an sich schon nützliche Effekte hat, dass aber viele der Ressourcen, die in unserem Unterricht entstehen oder für unsere Schülerinnen und Schüler zusammengestellt werden, als Verbrauchsmaterial betrachtet werden sollten. Falls Sie von der Vorstellung ausgehen, perfekte Präsentationen in PowerPoint oder Prezi zu erstellen, die Sie für die nächsten zehn Jahre, jahrein, jahraus verwenden können, vergessen Sie diese Idee lieber gleich. Das ist keine kreative Vorgehensweise und diese Präsentationen werden Ihren Unterricht höchstens beim ersten Einsatz verbessern.

Einsatz von Computertechnologie in Ihrem Unterricht

Die Verwendung von Websites und Online-Software im Unterricht ist erheblich sicherer als früher, aber einige Tipps können hilfreich sein. Vor allen Dingen gilt: Wenn Sie sich im Umgang mit der Technologie unsicher fühlen, ersparen Sie sich das Risiko. Es gibt kaum einen unfehlbareren Weg, die Kontrolle über eine Klasse zu verlieren, als im Unterricht mit Websites und Apps hilflos herumzuhantieren. Verwenden Sie Lesezeichen, wenn Sie wissen, wie das geht, um sicherzustellen, dass die richtigen Elemente der Website oder der Software schnell auffindbar sind. Es kann sehr hilfreich sein, die Websites und Apps, die Sie verwenden möchten, vor dem Einsatz im Unterricht auszuprobieren und vielleicht sogar vorab in Ihrem Browser zu öffnen und mit einer Reihe von Registerkarten griffbereit zu machen. Dann brauchen Sie nur noch auf eine Registerkarte nach der anderen zu klicken.

Neue Unterrichtsmethoden im Vergleich zur klassischen Vorgehensweise

Klassische Unterrichtsmethoden sind oft kreativer als alles andere, das muss man sich erst einmal bewusst machen. Die Fähigkeit, aus dem Stand zu reden, Beispiele aus dem Nichts zu schaffen, eine Geschichte zu erzählen oder einen Aspekt zur Grammatik zu erklären, mit Humor, persönlichem Eingehen auf die Einzelnen und vor allem viel Geduld – all diese Dinge sind kreativ, das militärisch getaktete Durcharbeiten eines festgelegten Satzes von in Sequenzen aufgeteilten Folien und Beispielen hingegen ist absolut nicht kreativ. Das Problem mit dem Einsatz von Technologien ist, dass die Ausstattung (Hardware oder Software) an sich keine Erleichterung darstellt. Und Teilnehmer automatisch motivieren kann sie auch nicht. Für die bestmögliche Kombination müssen wir Wege finden, bei denen das Unterrichten auf traditionelle für einen Großteil der Zeit weiter genutzt wird, und wir gleichzeitig für uns selbst und unsere Schüler erlebbar machen, dass die Nutzung sinnvoller Technologie den Zugang zu einem neuen, kreativen Prozess freigeben kann. Hierin liegt die Herausforderung.

(© CIRCE Projekt)

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